Blutjagd. Der News-Blog zur klassischen Welt der Dunkelheit.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Vampire-Wochenende in Bonn

Vergangenes Wochenende fand in Bonn wieder die FeenCon statt. Für mich stand das Wochenende vor allem unter dem Vorzeichen Vampire - The Masquerade. Nachdem das Schlafdefizit allmählich aufgeholt ist, wird es Zeit für ein Resümee des Wochenendes.

Freitag Abend ging es um 19:00 Uhr in der - sehr empfehlenswerten - Bonner Fantasy-Kneipe Voyager los. Gemeinsam mit drei Mitstreitern aus dem Vampire-Crowdfunding traf ich mich mit André Wiesler, um eine gemütliche Runde Vampire zu zocken. Im angenehm temperierten Kellergeschoss des Voyager trotzten wir der unmenschlichen Hitze und erlebten ein actionreiches Abenteuer in Bonn. Mehr wird nicht verraten, denn André plant noch weitere Crowdfunding-Spielrunden mit demselben Abenteuer. Glücklicherweise hatten wir verständnisvolle Kellner ("Cool. Vampire! Das war mein erstes Rollensspiel"), so dass wir nicht nur hervorragend mit Speis und Trank versorgt wurden, sondern auch die Öffnungszeit des Voyagers eine gute halbe Stunde überziehen konnten, um das Abenteuer solide zu Ende zu bringen. Für mich war dieser Abend das Highlight des Wochenendes. Wer André Wiesler schon einmal als Spielleiter erlebt hat, weiss, was ich meine. Das war einfach ganz großes Kino.

Am Samstag legte der Wettergott noch einmal eine Schippe drauf. Bei Temperaturen nahe dem Siedepunkt wurde der Slush-Verkäufer auf der FeenCon mein bester Freund. Ansonsten war dies für mich eine eher schwächere FeenCon, was aber vor allem an meiner zeitlichen Fehlplanung lag. Aufgrund der abendlichen V20-Release-Party hatte ich einen Termin im Beauty-Salon gemacht, doch leider nur einen eher ungünstigen Mittagstermin bekommen. Aber ein professionelles Vampir-Make Up wollte ich mir für die Party schon gönnen. Damit blieb weder Zeit für Workshops noch für eine Spielrunde, lediglich die Schlussminuten des Vampire-Workshops konnte ich noch erleben. Ansonsten habe ich ein wenig eingekauft (allerdings bin ich erstmalig am Bring&Buy-Stand nicht fündig geworden) und viel gequatscht. FeenCon hat immer etwas von Klassentreffen.


Frisch geduscht - zumindest abwärts des Halses - und umgezogen ging es dann zur V20-Release-Party. Hier hatte Ulisses vor allem mit der Location einen Volltreffer gelandet. Das Bonner Pantheon, tief unter der Erde gelegen und klimatisiert, bot eine ideale Kulisse für den LARP. Die Klimaanlage wurde zwar im Laufe der Nacht der Erwärmung durch mehr als 100 Wärme abgebende Körper nicht mehr wirklich Herr, aber draussen kühlte es ab, so dass letztendlich immer mehr IT an den Raucherbänken draussen stattfand. Dort waren dann auch die irritierten Blicke der vorbeikommenden Kunden des benachbarten Fitness-Centers sehr unterhaltsam. Auch die Verpflegung im Pantheon war hervorragend: Es gab kühle Getränke in mannigfacher Auswahl und auch das sehr leckere Buffet war bei Veranstaltungsende gegen drei Uhr nachts noch gut gefüllt.


Die LARP-Orga hatte sich einen unterhaltsamen Plot ausgedacht. Zudem erhielt jeder Teilnehmer schicke Disziplinen-Karten. Etwas sauer aufgestossen ist mir (und wie ich in den Gesprächen erfahren habe auch vielen anderen) das vorherige Auswürfeln der Kämpfe. Ein großer Vorteil war natürlich, wie schnell die Kämpfe abgehandelt werden konnten, doch ein nachträglicher Schaukampf mit bereits feststehendem Zufallsergebnis war irgendwie unbefriedigend. Kämpfe im Vampire-LARP scheint ein unglöstes Problem zu bleiben.

Weitere Kritikpunkte waren vor allem die Abweichungen zum vorher angekündigten. So sollte eigentlich an farbigen Armbändern oder Buttons erkennbar sein, ob die Partybesucher am LARP teilnehmen oder nicht und in welcher Intensität man teilnehmen möchte. Diesen Punkt hatte man wohl fallengelassen, eine Ansage dazu gab es nicht. Auch die Informationen der vorher zugeschickten und am Abend noch einmal verteilten Blätter zu den jeweiligen eigenen Zielen und Motiven wurden faktisch nicht berücksichtigt. Hier hätte man nach der OT-Ansprache der Orga die entsprechenden gleichmotivierten Personen schon einmal zusammenführen können.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, die Orga drehte sich nur um die Backer der Level Kain/Lilith/Altvordere. Der Rest wurde weitestgehend links liegen gelassen. Da auch keine wirkliche Partystimmung aufkam (es wurde so gut wie gar nicht getanzt, obwohl der DJ wirklich einen guten Job machte), verliessen viele nicht-LARPer-Partygäste die Veranstaltung recht früh. Insgesamt schien die eigentlich gut arbeitende Orga schlicht mit der Geöße der Veranstaltung überfordert.

Was man sich bei einer eventuellen Folgeveranstaltung (z.B. bei einem Crowdfunding für Vampire in der Alten Welt) definitiv sparen sollte, sind die "Anomalien". Dabei handelte es sich um LARP-Teilnehmer (von Orga-Seite?), die ständig ihre Disziplinen-Kärtchen zückten, immer Höchstwerte hatten, permanent mit irgendwelchem Schwachsinn nervten, bei jeder Reaktion ("Beherrschung 3. Geh weg und lass uns in Ruhe") erklärten, davon nicht betroffen zu sein. Das ganze wäre vielleicht noch vernachlässigbar gewesen, wenn die "Anomalien" nicht ständig in funktionierendes und spannendes IT hereingeblockt hätten. Auf eine OT-Nachfrage, was das denn solle, kam über die Aussage "Ich bin eine Anomalie" keine weitere Erklärung.


Trotz der Kritikpunkte war es für mich ein unterhaltsamer Abend. Da ich sowohl von der Vampire-Runde am Vorabend als auch von der Ulisses-Standparty auf der RPC schon einige Teilnehmer kannte, kam ich mir auch als Einzelanmelder nicht verloren vor. Und entgegen gängiger Klischees zu Vampire-LARPern konnte ich mich bei zahlreichen neuen Bekannten davon überzeugen, dass dort viele nette Leute herumliefen.

Sonntag früh kurz nach 4:00 Uhr sank ich dann ins Bett und habe dann aufgrund von Schlafdefizit und unerträglicher Hitze auf einen sonntäglichen FeenCon-Besuch verzichtet. Sollte es bei künftigen WoD-Crowdfundings wieder LARPs geben, bin ich wohl wieder dabei. Und mit André Wiesler als Spielleiter würde ich definitiv wieder das Voyager unsicher machen.